Dante Alighieri Gesellschaft Nürnberg e.V. im Internet

Dacia Maraini: Eine Sternstunde für die Freunde italienischer Literatur

Auf Einladung der Dante Alighieri Gesellschaft , des Italienischen Kulturinstitutes in Nürnberg und der Stadtbibliothek Nürnberg las eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen unserer Zeit, nämlich Dacia Maraini, am Donnerstag, 10. Mai, im kleinen Saal der Zentralbibliothek Nürnberg.

Eher unauffällig nimmt sie in der ersten Reihe Platz und folgt konzentriert der von ihr dramatisierten Fassung eines unveröffentlichten Werkes von Gabriele d’Annunzio, den „Lettere d’amore“, eine szenische Lesung von Liebesbriefen an Barbara.

Das Bühnenbild zeigt Kostüme auf einem Kleiderständer, weiße Laken auf Tisch und Stuhl und eine Holzkiste, gefüllt mit den Briefen d’Annunzios. Die Schauspielerin Monica Gruber liest engagiert diese Briefe, vermittelt überzeugend das ungläubige Staunen einer Tochter, die ihrer Mutter keinen Liebhaber zugetraut hat. Im letzten Brief erfährt sie allerdings, dass jene Barbara gar nicht ihre Mutter, sondern eine ganz andere Frau mit dem gleichen Namen war.

Nach diesem Monolog betritt Dacia Maraini die Bühne, elegant gekleidet in dunklem Hosenanzug. Mit herzlichem, gewinnendem Lächeln einerseits, gewisser Distanz zum Publikum andererseits, stellt sie ihr neues Buch „La grande festa“ vor. Darin erinnert sie sich an schon verstorbene Freunde. „In meinem Herzen ist ein Friedhof“, sagt sie, traurig, und doch mit dem Anflug eines kleinen Lächelns. Sie erzählt von Pier Paolo Pasolini und Maria Callas, mit denen sie mehrere Reisen unternahm. Erwähnt die enge Bindung Pasolinis an seine Mutter und beschreibt die Kurzsichtigkeit von Maria Callas, welche die „Aida“ ja nicht mit Brille singen konnte, welche nie den Dirigenten sah und doch immer ihren Einsatz wusste .Und sie berichtet von ihrer jüngeren Schwester, der sie sich sehr verbunden fühlte. Und selbstverständlich von ihrer Beziehung zu Alberto Moravia, mit dem sie 21Jahre liiert  war. Es ist nur ein kurzer Augenblick, in dem sie aus ihrer Souveränität heraustritt, dann nämlich, als sie über Krankheit und Tod ihres Lebensgefährten Giuseppe Moretti, dem Schauspieler und Musiker, spricht.

Nach der Lesung beantwortet sie ausführlich und liebenswürdig die vielen Fragen aus dem Publikum. Fragen zum Tod, Fragen zu ihrem Schreiben. Ja, das Schreiben sei schon anstrengend, aber der Leser dürfe die Mühe nicht merken. Und sie vergleicht einen Schriftsteller mit einem Tänzer, der Stunde um Stunde hart trainiert und bei seinem Auftritt mühelos über die Bühne schwebt. Dennoch – schreiben sei für sie notwendig, mache sie glücklich. Auf die Frage, welche Personen außer den bereits erwähnten ihr im Leben wichtig waren, nennt sie u.a. ihren Vater, dann Italo Calvini, Giorgio Bassani, Natalia Ginzburg.

Dacia Maraini, einst engagiert in der italienischen Frauenbewegung, würde sich nicht als „feministische“ Autorin bezeichnen. Ihr Interesse gilt der weiblichen Identität, die Frau steht im Mittelpunkt ihrer Werke – all dies vermittelte sie den überaus interessierten und lange applaudierenden Zuhörern eindringlich und sehr charmant.

 

Ulrike Rauh     

 

»Kunst, Mode und Design. Nordeuropa und Mittelmeerraum"

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Vortrag in italienischer und deutscher Sprache »Kunst, Mode und Design. Nordeuropa und Mittelmeerraum im Vergleich zwischen Geschichte und Gegenwart« Im Rahmen der

 

Woche des italienischen Designs in Bayern – Referent Giovanni Ottonello – Einführung: Dr. Antonio Venece, IED Groups

Freitag, 25.05.2012, 19.30 Uhr, Eintritt: 4,– € ermäßigt; 6,– € nicht ermäßigt

Für Studenten der Uni Erlangen-Nürnberg und der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg Eintritt frei. 

 

Primavera in Rom

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Ich spüre sanfte Wärme, blicke auf einen wolkenlos blauen Himmel über hell leuchtenden Palästen. Pralle rosa Magnolienblüten brechen auf, Mimosentrauben schaukeln im Wind.
Ich lasse mir Zeit, lasse mich treiben bei meinem Bummel durch die città eterna, und bleibe dann stehen vor der weißen Fassade der Villa Farnesina, durchbrochen von hohen Bögen. Der Architekt Baldassarre Peruzzi hatte sie Anfang des 16. Jahrhunderts für den Bankier Agostino Chigi entworfen, und selbst mitgewirkt bei der Gestaltung der Räume.

Die Gartenloggia im Erdgeschoss, die „Loggia di Amore e Psiche“, vermittelt tatsächlich das Gefühl, sich im Freien zu bewegen, eins zu sein mit dem Garten vor der Villa. Die sinnlichen Fresken von Raffael und seinen Schülern erzählen, umgeben von festlichen Blumenranken, die Geschichte von Amor und Psyche. Lebensfreude vermitteln auch die Fresken in der „Loggia di Galatea“ und in der „Stanza del Fregio“. Die Treppe, die in den ersten Stock führt, verziert mit weißen Rosetten an der Decke, erinnert mich in ihrer Anmut an die im Palazzo Spada. Überraschend dann die „Sala delle Prospettive“: Zwischen den mächtigen aufgemalten Säulen breiten sich Landschaften und Dörfer aus. Zu gewaltig, zu dicht, wirkt auf mich das Werk  „Die Hochzeit Alexanders des Großen und Roxane“ von Giovanni Antonio Bazzi, genannt Sodoma, im Schlafzimmer von Chigi. Und welch merkwürdiger Kontrast zwischen Vulcano und den Putten, die ihm bei der Arbeit helfen!

Ich verweile noch etwas in dem akkurat angelegten Garten, ehe ich die Villa verlasse und überrascht auf der gegenüberliegenden Seite in der via della Lungara „Casa Internazionale della Donna“ lese. Neugierig geworden betrete ich dieses Haus, folge dem Hinweis „ristorante“ und nehme Platz in dem gut besuchten Raum – zu dem offenbar auch Männer Zutritt haben - mit schöner dunkler Holzdecke und verlockendem Buffet. Ich wähle Ravioli ai porcini con salsa tartufata und scampi al sapore di bosco, dazu ein Glas vino della casa. Und staune, wie preiswert diese vorzüglichen Gerichte sind. Beim Espresso komme ich ins Gespräch mit einer der Damen, die sich hier um die Gäste kümmern. Dieses Haus bietet Frauen Rat und Hilfe bei Problemen in der Familie, am Arbeitsplatz, bei juristischen Fragen und im Bereich der Verhütung. Und es bietet auch Unterkunft zu sehr moderatem Preis. Außerdem finden hier Kongresse, Ausstellungen und Kurse verschiedener Art statt. Ich werfe noch einen Blick in den Garten, der einlädt zum geruhsamen Lesen eines Buches aus der Bibliothek des Hauses.
Ich blicke auf meine Uhr und den Stadtplan und halte Ausschau nach einer Bushaltestelle.

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Ende Februar wurde in den Scuderie del Quirinale eine Tintoretto-Ausstellung eröffnet, die bis zum 10. Juni 2012 zu besichtigen ist. Und wieder wirken einige von Tintorettos Gemälden auf mich zu gewaltig, sei es das Bild „San Marco libera lo schiavo dal supplizio della tortura“, sei es „La creazione degli animali“. Nicht viel anders ergeht es mir bei „Apollo und Dafne“. Und unwillkürlich muss ich an die wunderbar anmutige Darstellung dieses Sujets von Bernini in der Galleria Borghese denken, sofern man Skulptur und Gemälde miteinander vergleichen kann. Überrascht betrachte ich die „Madonna dei Camerlenghi“, denn die hatte ich vor kurzem erst in der Galleria dell’ Accademia in Venedig gesehen. Nun ist sie also auch hierher gereist…Es sind Tintorettos Selbstportraits, die mich sehr ansprechen, die so viel über ihn aussagen.
Ich steige die nicht enden wollenden Treppen der Scuderie hinab, überquere die Piazza del Quirinale und genieße wieder einmal den unvergleichlichen Blick auf Rom – auf all die Dächer, Kuppeln und Hügel: man wird des Schauens nicht müde –  eine Aufforderung, bald wiederzukommen.

Ulrike Rauh